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 Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg
Seydlitz Offline




Beiträge: 1.234

13.11.2009 15:04
RE: Die Schlacht von Cowpens Thread geschlossen

Schlacht von Cowpens – Entscheidung im Unabhängigkeitskrieg

Bei den meisten Kriegen der Menschheitsgeschichte gibt es eine bestimmte Situation, meistens eine Schlacht, welche der Wendepunkt des Krieges zu Gunsten einer Seite ist. Oftmals ist der Sieger dieser Schlacht dann auch später der Sieger des Krieges, aber nicht immer. Eine Ausnahme bildet z.B. die Schlacht von Cannae. Hier schlug Hannibal die Römer vernichtend, doch den 2. punischen Krieg gewannen die Römer, weil sie die Niederlage wach rüttelte.

Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wird oft der Kriegseintritt Frankreichs auf Seiten der USA als die entscheidende Situation gewertet. Andere legen diesen Zeitpunkt auf die Schlacht von Yorktown fest. Ich persönlich sehe den Wendepunkt allerdings früher und anders, nämlich bei der an sich kleineren Schlacht von Cowpens am 01.01.1781, da sich bis dahin die französische Beteiligung nicht wirklich auswirkte und Yorktown in meinen Augen eine Folge der Ereignisse von Cowpens ist.
Interessant ist die Schlacht von Cowpens auch aus einem anderen Grund. Im Film „Der Patriot“ mit Mel Gibson kommt viel aus der Realität rüber, wenn auch durch Hollywood …. Sagen wir mal „überarbeitet“. Der Höhepunkt des Films ist hier die Schlacht am Ende des Films. Genau diese Schlacht ist im Grunde Cowpens in vielerlei Hinsicht, allerdings wurden hier die Schlachten von Cowpens und die nachfolgende Schlacht von Guilford Courthouse zu einer sehr großen Schlacht zusammengemischt, ebenso starb der „böse Brite“ in Wirklichkeit nicht im Krieg.

Vorgeschichte
Nachdem sich im Norden und im Westen die Situation trotz einiger Schlachten und vieler Scharmützel nicht änderte, Großbritannien aber andererseits auch massiv Truppen aus Nordamerika wegen des Kriegseintritts von Frankreich und Spanien (Spanien war nie mit den USA verbündet, aber mit Frankreich!) abgezogen wurden, drängte der britische Oberbefehlshaber in Nordamerika auf einen Erfolg. So wurde eine britische Streitmacht unter General Cornwallis in den Süden geschickt, da an hier mehrheitlich bei der Bevölkerung von einer Loyalität gegenüber der Krone ausging. So konnte man weite Teile des Landes schnell und gesichert unter Kontrolle bringen.
Cornwallis errang schnell bedeutende Siege und eine weitestgehende Kontrolle über die Gebiete, aber keine vollständige Kontrolle. Die geschlagenen Truppen der Continental Army und der amerikanischen Milizen zogen sich zurück und begannen einen erbitterten und extrem blutigen Guerillakrieg gegen die Briten und ihre Unterstützer. Die Briten ihrerseits antworten genauso blutig. Wer von beiden mit den hier verbundenen Gräueltaten letztlich begann lässt sich nicht feststellen, letztlich waren aber beide Seiten hier gleich schuldig was dann die Verübung dieser Taten angeht.
Auf Seiten der Briten tat sich hier insbesondere Colonel Tarleton als Befehlshaber der „British Legion“ tat sich hier durch eine gewisse Grausamkeit hervor. So wurde ihm von amerikanischer Seite vorgeworfen, er habe bei dem Gefecht von Waxhaw sich ergebende amerikanische Truppen niedermetzeln lassen, da er keine Gefangenen nimmt. Wie wahr, bzw. in wie weit hier Tarleton selber wirklich beteiligt war ist in gewisser weise umstritten, die Abmetzelung der amerikanischen Soldaten ist aber Tatsache. Solche Sachen fordern gerade in einem verbissen geführten Guerillakrieg natürlich Gegenreaktionen hervor und so schaukeln sich Sachen hoch.

Durch das milde Wetter des Südens begünstigt, war es nicht erforderlich die Truppen in Winterlager zu führen und der Krieg konnte das ganze Jahr geführt werden. Im Dezember 1780 beschloss Cornwallis einen Feldzug gegen die Rebellen um hier die Nachschubwege zu sichern und die loyalen Bevölkerungsteile zu stützen.
Die Südarmee der USA wurde mittlerweile von Nathanael Green geführt, welcher mit Verstärkungen wieder auf eine ansehnliche Streitmacht kam. Um die Briten weiterhin mit dem „kleinen Krieg“ zu überziehen teilte er seine Streitkräfte und schickte ein Kontingent unter Brigadier Morgan los um die Nachschublinien der Briten zu trennen und die Bevölkerung zum weiteren Widerstand zu motivieren.
Am 31.12.1780 entdeckten die Späher der Truppenkontingente von Colonel Tarleton, welcher genau die amerikanischen Versuche verhindern sollte die amerikanischen Truppen von Brigadier Morgan. Beide bereiteten sich zur Schlacht am folgenden Tag vor.

Die Beteiligten

a) Amerikaner
Auf amerikanischer Seite unter Brigadier Morgan ergab sich ein Sammelsurium aus Truppen, dessen genaue Stärke nie ermittelt werden kann, da sich hier noch in der Nacht vor der schlacht laufend weitere Freiwillige Milizen und einzelne Gruppen an Guerillakämpfern einfanden.
Aufgrund der Musterrollen kann man nur die folgenden Angaben als relativ bestätigt ansehen:

- rund 80 Dragoner der Continental Light Dragoons aus verschiedenen Einheiten
- rund 100 Dragoner der Carolina Staatstruppen (*)
- rund 300 Continental Infantrymen (Reste verschiedener Regimenter)
- rund 150 Infanteristen der Caroline Staatstruppen (*)
- rund 1.500 Milizionäre verschiedener Qualität

Des Weiteren sollen nach einigen Quellen auch 2 Haubitzen vorhanden gewesen sein. Sollte dieses der Fall gewesen sein, so spielten sie jedoch keine große Rolle in der Schlacht.

(*) Die amerikanischen Streitkräfte unterteilten sich in 3 Kategorien:
a) Continental Army = Hauptarmee des Bundes
b) Staatstruppen der Bundesstaaten, in etwa mit der heutigen National Guard vergleichbar
c) Milizen

b) Briten
Auf britischer Seite unter Führung von Colonel Banastre Tarleton waren folgende Einheiten beteiligt:

- rund 350 Kavalleristen (Dragoner) der britischen Legion
- rund 200 Infanteristen der britischen Legion
- rund 100 Light Dragoons des 17. Regiments
- das 1. Bataillon des 7. Infanterieregiments (ca. 200 Mann)
- das 71. Highland Regiment (ca. 400 Mann)
- 2 Kompanien leichte Infanterie aus anderen Regimentern abkommandiert (ca. 100 Mann)
- eine Kompanie Ranger (etwa 50 Mann)
- Eine Batterie der Royal Artillery mit 2 oder 3 Kanonen (3 Pfünder)

Zahlenmäßig waren die Amerikaner den Briten überlegen, aber rein qualitativ waren die Briten an sich überlegen. Allerdings waren gerade die Truppen des 7. Regimentes noch quasi Rekruten, was die Sache wieder relativiert

Die Aufstellung

Das hügelige Schlachtfeld von Cowpens befand sich in einem großen Weideland. Zwar war es von Laubbäumen stark überzogen, aber wegen der Viehwirtschaft in der Gegend gab es kein hinderliches Unterholz. Jedes hügelige Gelände begünstigt den Verteidiger und Brigadier Morgan war der Verteidiger in der Schlacht, da Tarleton ihn aufspürte und angriff.

Morgan war es bewusst, dass seine Miliz einerseits den Großteil der Streitmacht ausmachte, aber auch der unzuverlässigste Teil war. Eine Flucht der Milizen hatte nicht nur einmal den Briten in der Vergangenheit den Sieg regelrecht geschenkt. Da dieses den Briten auch bewusst war und sie für die Milizen nur Verachtung übrig hatten, wollte er dieses zu seinem Vorteil nutzen. Er entschied sich für ein dreigliedriges Treffen und stellte in die vorderste Linie 150 ausgewählte Schützen, welche durch ihr Feuer den Feind bereits im Vorfeld dezimieren sollten. Dahinter stellte er den Großteil der Miliz mit ein wenig Staatstruppen dazwischen. Diese Staatstruppen hatten mehrere Aufgaben zu erfüllen. Zum einen sollten sie Tarleton glaubend machen, es sei das Haupttreffen, zum anderen sollten sie die Miliz für den wichtigsten Bestandteil des Plans stützen:
Normalerweise feuerte die Miliz eine Salve ab. Wenn die Briten zum Gegenfeuer ansetzen bekam sie meistens Angst und erst Recht, wenn die Briten mit dem Bajonett weiter vorrückten.
Hier sollte die Miliz 2 Salven abfeuern und dann durfte sie sich erst zurückziehen, in Wirklichkeit geordnet zurückziehen!
Durch eine bewusste Aufstellung dieser Linie bot er Tarleton zudem eine offene Flanke, damit er ihn genau dort angreift und nicht ein unvorhersehbares Manöver macht.

Ins entscheidende 3. Glied stellte er die Masse seiner erfahrenen Infanterie auf und diese war durch das Gelände begünstigt relativ gut gedeckt und nur zu einem geringen Teil für die Briten ersichtlich.

Morgan selber sagte zu seinem Plan:
„unser Plan war es Benny (= Tarleton) in eine Falle zu locken, damit wir ihn mit seiner Kavallerie und Infanterie erst gezielt schwächen können und dann im Gegenangriff zermalmen zu können.“

Tarleton selber begann bereits vor der schlacht schwere Fehler in der Truppenführung. Durch Gewaltmärsche in den letzten Tagen waren seine Truppen erschöpft und bedurften eigentlich nach allen Regeln der Kriegskunst dringend einer Ruhepause. Am Tag der Schlacht ließ er die Truppen um 2 Uhr Morgens nach gerade mal 4 Stunden Schlaf wecken und führte sie in einem weiteren Gewaltmarsch auf das Schlachtfeld. Kurz: Seine Truppen waren in der Schlacht bereits erschöpft als sie begann.
Tarleton war sich seines Sieges aber unheimlich sicher, denn Morgans Männer waren laut seinen Erkenntnissen überwiegend Milizionäre und mit denen wird jeder halbwache britische Soldat schnell fertig. Zumal hatte er weit mehr Kavallerie als der Feind und er wollte seine vermeintliche Überlegenheit schnell nutzen, bevor sich Morgan der Schlacht wieder entzieht.
Sein Plan war daher einfach. Er stellte die Infanterie der Legion und des 7. Regimentes frontal gegenüber dem sichtbaren Feind auf. An den Flanken schützen die leichten Infanteristen und einige Dragoner die Truppen. Dahinter mit etwa 150m Abstand hielt er das 71. Highland in Reserve und auch nahezu alle Dragoner um die seiner Meinung nach schnell fliehenden Amerikaner zu verfolgen und niedermetzeln zu können.

Man kann die Ausgangslage in einem kurzen Satz kommentieren:
Morgans Plan ging dank Tarletons Überheblichkeit zu 100% auf!

Der Schlachtverlauf

Kaum das sich die Briten formiert hatten, rückten sie auf Befehl Tarletons vor. Die 150 Scharfschützen bereiteten den Briten den ersten unangenehmen Teil mit nicht gerade wenigen Verlusten. Als sich die Briten dann der für sie vermeintlichen Hauptlinie des Feindes näherten, da kam die nächste Überraschung:
Die Miliz feuerte eine Salve ab, blieb aber stehen und ließ das Gegenfeuer der Briten über sich ergehen. Sie feuerten nun sogar ein 2. Mal und die Verluste der Briten, vor allem bei den Offizieren wurden nun bedenklich. Als die Briten nun ihrerseits zur 2. Salve ansetzten, begannen die Milizen nun doch scheinbar zu fliehen und Tarleton schickte seine Kavallerie los um den Feind zu verfolgen, ebenfalls rückten die Highlander nun vor.

Als sie gegen die 3. Linie der Amerikaner stießen, da wurden sie von einem heißen Feuer der standhaften regulären Infanterie gestoppt und sie verloren den gesamten Angriffsschwung. Tarleton glaubte aber weiterhin, dass er hier nur mit der kleinen Reserve der Amerikaner zusammentraf und erkannte nicht, dass er es mit der Hauptlinie der Amerikaner zu tun hatte!
Er befahl dem 71. Regiment die Flanke des Feindes anzugreifen. Die Amerikaner wichen diesem Manöver aus und es ging somit ins Leere. Erneut interpretierten die Briten dieses als Flucht des Feindes, aber sie irrten sich gewaltig. Die Continentals und anderen regulären Einheiten gingen nun zum Gegenangriff über. Die Miliz hatte sich unentdeckt hinter der amerikanischen Front wieder gesammelt, lief einmal um die ganze front herum und tauchte zusammen mit der amerikanischen Kavallerie, welche heroisch die britischen Dragoner an den Flanken in die Flucht schlug an den Seiten und im Rücken der Briten auf.
Nun entstand Panik bei den Briten als sie bemerkten, dass man sie eingekesselt hat. Ziemlich schnell ergaben sich fast alle britischen Soldaten, da sie ihre auswegslose Lage erkannt hatten und vollkommen abgekämpft und erschöpft waren.
Nach einigen Berichten kämpften als Letztes die Kanoniere der Royal Artillery im Nahkampf bis zum letzten Mann.
Tarleton und die wenigen Soldaten die ihm verblieben waren flohen vom Schlachtfeld.
Viele Briten, insbesondere die Angehörigen der Legion befürchtete nun, dass die Amerikaner an ihnen über Rache nehmen werden, doch Morgans Autorität und die seiner Unterbefehlshaber verhinderte, dass es hier zu einem Massaker kam.

Folgen der Schlacht

Wie ich bereits Eingangs darlegte, halte ich diese Schlacht für den Wendepunkt des Krieges. Cornwallis hat hier einen erheblichen Teil seiner Streitmacht unwiderruflich eingebüßt.
Cornwallis gab in der Folge gezwungener Maßen auf und suchte gegen die amerikanische Hauptmacht unter General Greene die Entscheidungsschlacht. Bei Guilford Courthouse trafen beide aufeinander und er errang einen Sieg gegen Greene, welcher auf ähnliche Weise wie Morgan antrat, nur im weit größeren Maßstab. Nur Cornwallis war nicht Tarleton und hier siegten die Briten. Von einem entscheidenden Sieg konnte aber nicht mal ansatzweise die Rede sein. Vielmehr handelte es sich um einen Pyrrhussieg, da die britischen Verluste mehr als erheblich waren. Cornwallis war danach gezwungen sich aus dem Süden zurückzuziehen und wurde später bei Yorktown zur Kapitulation gezwungen, nachdem Washington mit den Franzosen zusammen ihn angriff.



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