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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Viva Espagna
Fridericus Rex Offline




Beiträge: 9

08.11.2009 11:14
RE: Überarbeitete Fassung von Viva Espania Antworten

Hier kommt die überarbeitete Fassung von Viva Espania. Ich bitte jeden der hier liest, keine Kommentare oder Kritiken abzugeben, dazu erstelle ich einen extra Bereich. Anregungen für die Handlung oder Änderungen an ihr nehme ich gerne entgegen, genauso wie Kritik und Lob.
Danke!

Euer Fritz

Es tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Aber so nach und nach folgen schon bald die anderen Teile. Noch geht es, aber mit Grauen erwarte ich die fünf Seiten Klopper. Danke an alle die mir so viel Hilfe gegeben haben. Lieben Gruß!

Fritz

[ Editiert von Moderator Fridericus Rex am 11.01.10 23:12 ]

Fridericus Rex Offline




Beiträge: 9

11.01.2010 23:10
#2 RE: Überarbeitete Fassung von Viva Espania Antworten

Viva Espania, die Geschichte eines Reiches. (überarbeitete Fassung)

Lieber Leser, ich möchte mich Ihnen vorstellen. Mein Name ist Sebastiano Komperon. Als katholischer Mönch der Dominikaner kommt man weit in der Welt herum, ewig auf Wanderschaft, um Menschen auf den richtigen Pfad zu bringen und sie im täglichen Kampf gegen die Sünden und Versuchungen des Lebens zu unterstützen. Ich möchte ihre Vorurteile entgegenwirken, ist mir doch die Folter der Inquisition ein Gräuel und das überzeugende Wort ein mächtigeres Mittel. Meine Leidenschaft jedoch ist das dokumentieren meiner Epoche, das beschreiben meiner Landsleute, ihr Leben und Ihre Umwelt geprägt durch Staat und Kirche. So schreibe ich täglich in mein Tagebuch, beschreibe genau die Geschehnisse des Tages und fertig primitive Skizzen an, von Dingen die mir Bedeutungsvoll erscheinen.

Meine Heimat ist Spanien und unter mächtigem Hurra wurde das neue Jahrhundert vor wenigen Monaten begrüßt. Carlos der Zweite ist unser Landesvater, ein mächtiger Monarch, der den Verfall, verursacht durch Vater und Großvater, nicht nur aufgehalten hat, sondern den Staat und seine Macht konsolidieren konnte. Vergangen so scheint es, sind die Zeiten wo man sich noch von Krämern wie den Fuggers Geld leihen musste, weil Piraten die Schatzflotten eroberten und eine überschwängliche Hofhaltung das Geld verschlang, noch bevor es eingenommen werden konnte. Man darf auch die Holländer nicht vergessen, dieses gotteslästernde Pack von Händlern und Fischern, die unsere ruhmreiche Armee vor einem Jahrhundert mit feigen Attacken zum Narren hielt. Auch wenn die Grenzen nun gezogen scheinen und Spanien auch keine dreißig Jahre andauernden Krieg durchleiden musste, sollte man sich vor neuen Gefahren in Acht nehmen. Der alte Kontinent war schon immer ein Vulkan gewesen, auf dem der Teufel hauste, wenn es auch immer wieder Menschen gab die ihm Einhalt geboten haben und in denen das Gute überwog.

Ich stieg in einer Herberge ab, die auf den Weg nach Valencia lag, wo ich Pater Hernandez aufsuchen wollte. Er wollte ein Reisetagebuch illustrieren, das ich aus dem Krimkanat mit nach Spanien gebracht hatte. Der Calvados des fettleibigen Wirtes, schmeckte mir vortrefflich und obwohl ich mich versuchte zu mäßigen, viel es mir schwer, mich beim nachschenken zurück zu halten. Auch prosteten mir meine Tischnachbarn zu und freuten sich anscheinend darüber das man mir meine geistliche Würde nicht unbedingt ansah. Ich war dem guten Menschen stets ein treuer und respektvoller Freund gewesen, selbst wenn sie meinen Glauben nicht teilen wollten. Ketzerei hin oder her, Folter und Mord an anders Gläubige war ein Teufelswerk, genauso wie das Leugnen von Gott.
Mit einem ordentlichen Knall schlug die dicke Eichentür auf und kein Gast betrat den gemütlichen Schankraum, sondern ein Dorfjunge, verschmutzt vom Staub der Straße, in Kleidung die wenig von ihrer ursprünglicher Form erkennen ließ. „Die Armee des Königs kommt durch den Ort!“ Viele Gäste stürzten voller Neugier zu dem Jungen um näheres zu erfahren. So packte ein stämmiger Krämer den Jungen an der speckigen Weste und schüttelte ihn ziemlich derb. „Wie weit sind sie?“ Der Junge, mit Angst in seinen Augen, den stämmigen Mann musternd, meinte eine Stunde etwa werden sie noch brauchen. Die Wirtstochter, wies den Mann an, den Jungen umgehend los zu lassen, gab ihm einen Kuss und ein Brot, während die Dorfbewohner Hals über Kopf aus der Schenke stürzten und die ortsunkundigen Reisenden verunsichert stehen oder sitzen blieben.

Ein Apotheker aus Salamanca, mit dem ich zuvor noch ein paar Worte gewechselt hatte, konnte die Aufregung der Dorfbevölkerung nicht verstehen. Es war doch die eigene Armee, die sich näherte. Ich lächelte, kannte ich doch den genauen Grund von meinen vielen Reisen her. „Wissen Sie! Für die Leute hier, sind die Abgaben an Adel und Kirche die sie entrichten müssen, schon kaum zu tragen, wenn aber eine Armee durch die Lande zieht, nehmen sich die Soldaten was immer sie habhaft werden können. Egal ob im eigenen Land oder in dem des Feindes. In der Heimat versuchen die Offiziere, sollten sie noch ein wenig Mensch in sich haben, das Schlimmste zu verhindern, aber völlig verhindern können sie es kaum.“ Der Wirt nickte zustimmend und befahl zwei Knechten die Weinfässer hinter dem Haus zu verstecken. „Habe beim letzten Mal drei Jahre gebraucht um mich vom Verlust wieder zu erholen, den mir unsere eigene Armee beigebracht hat. Nun werde ich Ihnen schlechten Wein und Eintopf servieren, damit sie nicht völlig leer ausgehen. Sie ziehen anscheinend gen Portugal. Habe vor einer Woche eine Delegation in Richtung Madrid zum Gast gehabt. Schweigsam wie sie waren, konnten sie keine gute Nachricht bei sich führen.“ Der Reisende betete. „Herrgott, gib uns Schutz vor dem Schlimmsten. Gerade jetzt wo es endlich mal Ruhe zu geben schien auf diesem blutigen Kontinent.“

Ich lehnte mich zurück. Zweifelsohne hat der Wirt Recht mit seiner Vermutung. Dies war der schnellste Weg nach Portugal. Es war gut gerüstet, sowohl in der Armee als auch in der Flotte. Der eigentliche Grund für diesen Konflikt schien mir aber England zu sein, war es doch mit Portugal verbündet. Es fürchtete das Bündnis Spanien-Frankreich und ließ nun Portugal seinen Kampf führen, indem es das Königreich mit Geld und Waffen unterstützte. Konnte man dadurch einen Krieg mit Frankreich provozieren, konnte man sich aussuchen welche Kolonien man erobern wollte, die starke Flotte der Briten hat kein anderes Land etwas entgegen zu setzen. Ich ging hinaus, um nach den Regimentern des Königs Ausschau zu halten. Als ich mich zum Dorf hinaus begab, wurde ich schon der Vorhut, wenige hundert Fuß vor dem Dorf gewahr. Sie bestand wie bei jeder Armee aus Reiterei, in diesem Fall hauptsächlich Dragoner, aber auch anderer Typen der Kavallerie. Mit der trockenen Erde Spaniens überzogen, sahen die Reiter eher weiß aus, denn Gelb wie ihre Uniformen in Wirklichkeit waren.
Der Capitano nickte mir müde zu, als er an mir vorrüber ritt. Müde sahen seine Soldaten aus und einige Frauen des Dorfes erbarmten sich ihrer und brachten Krüge mit Wasser, um sie zu erfrischen. Sie stiegen ab, tranken und wuschen sich und wurden von Dorfbewohnern umringt, die sie neugierig ausfragten. Ob nun wirklich Krieg mit Portugal herrscht und ob man requirieren werde, wollten sie wissen. Der Capitano behielt nur mit Mühe seine Beherrschung, beantwortet aber alle Fragen so gut er konnte. Doch wurde es mir bald zu viel und ich sprang den malträtierten Offizier bei. „Leute lasst ab, von unseren tapferen Soldaten! Seht Ihr denn nicht wie müde sie sind? Nicht jedes spanische Dorf und nicht jede spanische Stadt, ist so weit von der Grenze nach Portugal entfernt, wie Euer Ort. Drum hindert nicht die Soldaten, sondern helft ihnen sich auszuruhen, damit sie ihrerseits für andere Spanier Hilfe und Rettung vor unseren Feinden bringen!“ Capitano Rodriguez, wie er sich mir vorstellte, pflichtet mir bei, schlug mir auf die Schultern und bat mich bei sich Platz zu nehmen.
„Recht gesprochen Pater. Die Portugiesen haben Olivenza erobert, von Badajoz weiß man nichts. Auch Vigo im Norden soll bedroht sein.“ Seine Augen hafteten auf ein paar Soldaten, die damit begannen Hühner zusammen zu treiben. Sehr zum Ärger einer dicken Senhorita, die all die Befürchtungen der Dorfbewohner nun bestätigt sah. „Sergeante! Greift ein, bevor die Ordnung verloren geht!“ Der Unteroffizier hastete zu den Soldaten und schlug mit einem dicken Stock auf sie ein. „Viehzeug, benehmt Ihr Euch? Hungert ihr? Reicht Euch Eure Ration nicht?“ Die Soldaten schraken auf und rannten wieder zu den Ihren. Ein paar Rufe der Dorfleute, ließen den Capitan hochleben doch schien dieser sich keinesfalls darüber zu freuen. „Hört auf damit ihr Pack! Wir werden uns nehmen was wir brauchen. Doch seit ohne Sorge, wir werden es Euch mit klingender Münze zu vergelten wissen.“

Ein Zahlmeister der Armee begann nun mit den Soldaten, die einzelnen Ställe und Höfe zu sondieren. Auch wenn man darauf achtete nur einen kleinen Teil vom Besitz der Bauern zu enteignen, war der wirtschaftliche Schaden für diese doch sehr hoch. Zwar wurden sie bezahlt, doch nur mit einem Mindestpreis, der kaum über den Verlust hinweg trösten konnte. Aber ein anderes Ereignis war Balsam für die Gemüter der Bauern. Ungefähr zwanzig Kavalleristen, trieben eine große Rinderherde vom Gut des Don Pizarres ins Dorf, begleitet vom Gezeter und Gebrüll des ehemaligen Eigentümers. „Gebt mir mein Vieh zurück Ihr Hunde! Ich werde Euch auspeitschen lassen. Er drohte den Soldaten und wollte schon mit seiner Krücke auf einem von Ihnen losgehen. Er fuchtelte mit ihr so wild herum, dass er beinah von seinem Pferd herunter fiel. Einem der Dragoner wurde es nun zu viel, sodass er seinen Säbel blank zog. Erschrocken zügelte der Don sein Pferd, das sich aufbäumte, wodurch er Mühe hatte, in seinem Sattel zu bleiben.

In diesem Moment erkannte er den Capitan und eilte zu ihm herüber. „Ihr müsst mir helfen, Eure Leute stehlen mir das Vieh, ich bin bekannt bei Hofe. Ihr wollt bestimmt nicht, dass ich Euch beim König anzeige." Der Capitano schien ihn keine Beachtung schenken zu wollen, sah an ihm vorbei, stand auf und nahm eine strenge Haltung ein. Ich war verblüfft und erstarrt, wie fast alle Leute des Ortes. Es war einer der Zufälle, die Geschichte machten, als ich eine prächtige Gruppe stattlicher Reiter auf uns zu kommen sah. Mit blinkenden Brustpanzern, wallenden Federbüschen auf den Kopf, umringten und schützten sie einen Mann, den jeder in diesem Land kannte. Der Capitan salutierte, als König Carlos II vor ihm stand, vom seinem prachtvollen Andalusier stieg und ihn Meldung machen ließ. Der Monarch hörte geduldig zu, bis der einfache Offizier geendet hatte, schob diesen schließlich sanft beiseite und ging auf dem Don zu, der verlegen und starr die Ausführungen des Kavallerieoffiziers verfolgt hat. „Ihr wolltet einen meiner Soldaten anzeigen, weil er Euch zwang unsere Sache zu unterstützen?“ Der Don wollte etwas zu seiner Verteidigung erwidern, doch der König hieß ihn mit einer Geste zu schweigen. Stellt Euch vor, ich würde nun das Vieh zurückgeben, dass ja eigentlich mir gehört, befindet es sich doch in meinem Reich, auf meinem Land. Ich würde meine Soldaten zwingen den Armen das weg zu nehmen, was sie zum Leben brauchen. Sie verhungern lassen müsste ich und wer frage ich Euch bestellt dann meine Felder, hütet mein Vieh und stellt mir die Soldaten? Nein guter Mann, auf die Leute hier in diesem Dorf kann ich nicht verzichten, auf Euch aber natürlich auch nicht. Drum rufe ich Euch zur Fahne, damit auch Ihr hoher Herr, uns helfen könnt den Feind Spaniens zu besiegen.“ Der Don wurde bleich, warf sich zu Boden, hob seine Arme flehentlich zu dem Herrscher Spaniens hinauf. „Bitte Gebieter ich habe Frau und Kinder!“ König Carlos lachte laut auf. „Auch ich habe der Königin ein paar abgerungen, was aber nicht heißt, dass sie sich deshalb einen Feigling an ihre Seite wünscht. Nun ich werde an Euch ein Exempel statuieren müssen.“ Carlos mustert den Mann eingehend. Ihr braucht körperliche Ertüchtigung wie ich sehe! Bringt den Mann für ein Jahr nach Cartagena! Ihm wird die Seeluft dort sicherlich gut tun.“ Soldaten kamen und führten den Don ab. Ich wandte mich an Rodriguez der seine Soldaten befahl aufzusteigen. „Was passiert mit dem Mann?“ Der Capitan zuckte mit seiner Schulter. Wie es einem Exempel nun mal geht, das denkbar Schlechteste wird ihm wiederfahren. Er kommt auf eine Galeere. Die Dorfbewohner tuschelten aufgeregt miteinander, während immer mehr Soldaten in den Ort hineinströmten. Carlos inspiziert mit seinen Offizieren die kleine Siedlung und nahm zur Überraschung des Wirtes in der Dorfschenke Quartier. Befehle gelten und fast dreizigtausend Soldaten, nahmen Lager, schlugen Zelte auf, schaufelten Latrinen und legten Holz für die Wachfeuer bereit.

[ Editiert von Moderator Fridericus Rex am 11.01.10 23:13 ]

[ Editiert von Moderator Fridericus Rex am 12.01.10 9:19 ]

[ Editiert von Moderator Fridericus Rex am 12.01.10 9:20 ]

[ Editiert von Moderator Fridericus Rex am 13.01.10 7:38 ]

Fridericus Rex Offline




Beiträge: 9

20.01.2010 13:45
#3 RE: Überarbeitete Fassung von Viva Espania Antworten

Zweiter Teil, in der Karibik zur gleichen Zeit.

Langsam stampfte die Galeone Aurelia durch die vom Sturmwind aufgepeitschte Karibik. Schwarzdunkle Wolken jagten durch den Himmel und donnernd entluden sich die Blitze des Gewittersturmes. Regen fegte über die Decks und der Sturmwind ließ das große Segelschiff zu seinem Spielball werden. Die Seeleute wurden durch Brecher, die über das Deck hereinbrachen, umgeworfen und weggespült, brutal gegen Geschütze und Ladung geschleudert , begleitet von dem Brüllen der Offiziere und Maate, die versuchten dem Chaos Herr zu werden. Einige Waghalsige versuchten in die Wanten zu steigen, um auch das letzte Hauptsegel zu reffen, bevor dieses aus seinen Liken fliegen konnte. Mit allem Einsatz schafften sie es schließlich das große Segeltuch zu bergen und der Kapitän des Schiffes Estephan Emiliano Chilida ließ das Schiff nun allein mit Hilfe der Stagsegel vorwärtstreiben, damit es für die Steuerleute lenkbar blieb und diesen schweren Sturm abreiten konnte. Der Schiffer und gleichzeitige Eigner der Aurelia war ein kräftiger, schlanker Mann mittlerer Größe. Seine Kleidung war gepflegt, selbst hier auf See und spielgelte seinen Stand und seine Autorität wieder. Doch nun hatte auch sein Aussehen gelitten und er war, trotz seiner Seebeine, bemüht der schweren See zu trotzen. Der erfahrene, grobschlächtige Steuermann, mit seinen nun immerhin 45 Jahren auf See, wurde Zusehens ruhiger und auch Chilida schien in seinen wetterfühligen Knochen einen Wechsel zu spüren. Der Höhepunkt des Sturms war überwunden und trotz seiner erfahrenen und bewährten Mannschaft war der Kapitän erleichtert aus dieser Hölle entronnen zu sein. Zeit zur Muße blieb trotzdem nicht, Männer mussten an den Pumpen abgelöst werden und auch er selbst stellte sich immer wieder dazu, die Männer anfeuernd, schimpfend, drohend und lobend.
„Antonio!“ rief Chilida. “Bringe diesen Mann vom Deck! Solange noch ein wenig Leben in ihm ist.“ Der stämmige Maat beeilte sich, rief einige Männer zusammen und schleppte den Mann runter in das Orlogdeck, dem tiefsten Punkt des Schiffes. Dort würde es für ihn am ruhigsten sein und der Smutje, gleichzeitig auch als Feldscher der Galeone tätig, würde nach ihm sehen und schauen was er für ihn tun konnte. Es war der vierte Mann, der aus der Mannschaft verletzt wurde, zwei weitere wurden von Bord gespült und ein Matrose wurde mit einer Enteraxt erschlagen, die als man ihn fand noch in seinem Schädel steckte. Der Beweggrund hinter der Tat blieb Chilida verborgen, wie auch der Täter, doch der Kapitän würde den Mann finden und dann Gnade diesem Mörder Gott.

Langsam flaute der Sturm ab und die Männer, zu Tode erschöpft, von den zurück liegenden 24 Stunden Sturm, schliefen kaum das man sie in Ruhe ließ, auf der Stelle ein. Chilida ließ sie wieder seiner Natur gewähren, wusste er doch, dass man ihnen nichts mehr abverlangen konnte. Nur die Pumpen lenzten quietschend weiter und so ging er nun zu den dort schuftenden Männern, lies jedem von ihnen eine Pinte Rum reichen und lobte sie für ihren harten Einsatz. Er bat die Männer darum durchzuhalten und versprach ihnen zwei Wachen Ruhe sowie das Schiff leer gepumpt worden ist. So ging Chilida, selber müde und erschöpft, durch sein vom Sturm gezeichnetes Schiff, stellte die Schäden fest und versuchte dabei die Dringlichkeiten der nötigen Reparaturen einzuschätzen.
Zwei Tage später waren die Männer soweit erholt, dass sie schon wieder frohen Mutes, Scherzen und singen konnten. Trotz der harten Arbeit und der drakonischen Strafen des Schiffsreglements, gab es auch für sie, immer wieder Phasen, wo sie sich gehen lassen durften und die ersehnte Ruhe fanden. Nach dem Chilida den Stand der Sonne zur Mittagsstunde gemessen hatte, vermutete er ihre Position nördlich von Kuba und südöstlich der Keys in der Floridastraße, einem der größten Schiffsfriedhöfe in der Welt. Wären sie vor zwei Tagen hier gewesen, es hätte den sicheren Untergang für ihr Schiff bedeutet, warteten doch unzählige Untiefen darauf, dass ein Schiff sich seinen Kiel an ihnen brach oder für immer auf einem der riesigen Riffe festsaß.

Chilida hatte sich für einige Stunden in seine Kabine zurückgezogen und keiner der Männer an Bord wagte es, ihn in seiner Ruhe zu stören. Die einzigen zwei Menschen an Bord, die dazu eine Legitimation besaßen, waren der erste Offizier Camilio Fallo und der Steuermann der Aurelia. Doch auch sie scheuten sich, den Kapitän zu wecken, es sei denn in äußerst dringlichen Fällen. Nun konnten sie aber nicht anders, denn ein Matrose musste mit dem Lot in den Bug der Galeone steigen um die Tiefe der See zu messen. Der Ausguck hat Untiefen vor dem Schiff ausgemacht, so das Fahrt aus dem Westindienfahrer genommen werden musste, um genügend Zeit für einen Kurswechsel zu besitzen. So trat Fallo in die geräumige Kabine des Kapitäns, die vollgestellt mit zahlreichen Sitzmöglichkeiten, Schränken und Kommoden, den Komfort für den Kapitän auf langen Reisen gewährleisten konnte. So trat der Leutnant an die Koje des Kommandanten heran, doch ehe er ein Wort an ihn richten konnte, nickte dieser. „Veranlassen Sie alles Nötige Leutnant! Ich komme gleich an Deck.“ Fallo musterte ihn ungläubig, sah dann aber das offene Luk in der Decke der Kabine, hob seine Schultern und eilte sich wieder an Deck zurück zu kehren. Von dort stieg er weiter auf das Vordeck der Galeone um freie Sicht über deren Bugsee zu bekommen. Nur Augenblicke dauerte es und einer der Maaten sang die ersten Werte aus. „Fünf Fuss unter Kiel!, Fünf Fuss unter Kiel! Sieben Fuss unter Kiel!“ Eintönig kamen diese kurzen Sätze und zusammen mit dem schönen Wetter und dem stetig aus einer Richtung kommenden Wind, lullten sie das Schiff in eine seltsam anmutende Lethargie ein. So verging Stunde um Stunde und während sich die Aurelia durch das Labyrinth aus Sandbänken hindurch tastete, ging jeder Mann der seine Freiwache hatte, auf eigene Weise gegen die Langweile an. Manche suchten ihr Glück um nach Haien zu angeln, andere spielten Würfel und erzählten von ihren Abenteuern, die sie während ihrer vielen Fahrten erlebt hatten. Leutnant Fallo, ein hochgewachsener, stattlicher Mann in den Dreißigern, brachte dem Schiffsjungen das Koppeln an Hand von Karte, Geländepunkten und Kompass bei. Warum der Leutnant sich die Mühe machte, schien in der Intelligenz des Jungen begründet zu liegen, musste er doch kaum einen Satz wiederholen, geschweige denn einen Sachverhalt zweimal erklären. Auch Chilida mochte den Jungen, war dieser doch fleißig, lehrsam und ruhig. Der Schiffsjunge war immer darauf bedacht keinen Anstoß zu erwecken, weder bei der Mannschaft noch bei den Offizieren und Unteroffizieren. Fallo strich mit der flachen Hand über den Haarschopf des Jungen. „Heute Nacht schießen wir einen Stern mit dem Jakobsstab! Und ich erkläre Dir die Breitengradbestimmung….“
„Schiff ahoi! Steuerbord voraus!“ gelte es aus dem Ausguck. Fallo, Chilida, Steuermann, Mannschaft und sogar der ziemlich beleibte Smutje der gerade aus dem Orlogdeck herauf gestiegen kam, wo er nach seinen Patienten gesehen hatte, eilten zur Rehling um nach Steuerbord voraus das Segel zu entdecken.

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